Was bedeutet „hochstrittig“?

Für Hochstrittigkeit gibt es keine absolute Definition. Trotzdem ist der Begriff zu einer festen Begrifflichkeit im Zusammenhang mit konfliktbelasteten Trennungen geworden.

Nicht jede Meinungsverschiedenheit zwischen Eltern rechtfertigt die Einstufung des Elternstreits als „hochstrittig“. Unterschiedliche Meinungen sind normal und auch in Entscheidungsprozessen bei zusammenlebenden Eltern zu finden. Dass dies getrennten Eltern gerade in der ersten Zeit nach einer Trennung manchmal schwerer fällt als sonst, ist menschlich und nachvollziehbar. Auch gerichtliche Auseinandersetzungen oder Beratungen haben nicht per se etwas mit hochstrittigkeit zu tun.

Um das Kriterium hochstrittig zu erfüllen, müssen einige Rahmenbedingungen erfüllt werden:

  • die Kinder stehen bei mindestens einem Elternteil nicht mehr im Fokus
  • Langanhaltende, auch gerichtliche Auseinandersetzungen
  • Streitniveau nimmt auch nach längerer Zeit nicht ab
  • Immer wieder aufflammende Konflikte
  • Häufig irrationale, für Dritte nicht mehr nachvollziehbare Begründungen
  • Mediatons-, Beratungs- und Unterstützungsangebote sind erfolglos
Vergleich der Konfliktentwicklung bei normalem und hochstrittigem Trennungsverlauf

Häufigkeit von Hochstrittigkeit

Pro Jahr sind rund 200.000 Kinder aus ehelichen und nichtehelichen Familien von der Trennung ihrer Eltern betroffen[1] . Man geht davon aus, dass ca. 5% der Trennungen als hochstrittig eingestuft werden müssen. Bei diesen rund 5.000 Trennungen sind ca. 20.000 Kinder betroffen – jedes Jahr.

Geringe Zahl, enormer Aufwand

Angesichts dieser Zahlen könnte man von einem eher kleinen Problem ausgehen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Diese 5% der Fälle machen rund 80% des Aufwandes von Jugendämtern, Beratungsstellen und Familiengerichten im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung aus.

5% der Fälle = 80% des Aufwandes

Viel wichtiger aber: durch den langfristig anhaltenden Konflikt dürften dauerhaft rund 200.000 minderjährige Kinder in hochstrittigen Konflikten ihrer Eltern gefangen sein.

Kinder nehmen fast immer Schaden

Während Kinder eine „normale“ Trennung ihrer Eltern meist ohne größere Nachwirkungen überstehen, erleiden Kinder aus hochstrittigen Trennungen fast immer bleibende Schäden und / oder psychische Störungen.

Häufig zu beobachten sind z.B.:

  • Psychosomatische Beschwerden
  • Depressionen
  • Ess- und Angststörungen
  • Schlechtere schulische Leistungen
  • Bindungsstörungen, auch in Folge von Eltern-Kind-Entfremdung
  • Neigung zu Gewalt und antisozialem Verhalten
  • Ausgeprägtes Suchtverhalten
  • Höhere Neigung zu Suizidalität

Die Eindämmung und Befriedung hochstrittiger Elternkonflikte ist aktiver Kinderschutz


[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/485348/umfrage/ehescheidungen-mit-und-ohne-minderjaehrige-kinder-in-deutschland/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1324/umfrage/uneheliche-kinder-anteil-an-allen-geburten/

ca. 75.000 geschiedene Ehen mit minderjährigen Kindern pro Jahr, zzgl. ca. 35% nichteheliche Trennungen

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